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Sexualtherapie bei Dyspareunie: Wege aus den Schmerzen beim Sex mit dem Ansatz von Sexocorporel

  • Autorenbild: Anja Schwenke
    Anja Schwenke
  • 21. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit
Schmerzen beim Sex? Dyspareunie & Sexocorporel Berlin

Es gibt Momente, die eigentlich voller Nähe, Wärme und Hingabe sein sollten. Und dann, mitten in diesem Moment, ist er plötzlich da: der Schmerz. Vielleicht ist er stechend und hell, wie ein kleiner Schnitt. Vielleicht fühlt er sich an wie ein Brennen, das alles andere überlagert. Oder er sitzt tief im Inneren, als ein dumpfer, drückender Schmerz, der einem den Atem raubt.


Und vielleicht hast du schon viele solcher Momente erlebt – und aus Lust, Neugier und Freude wird schleichend Angst. Angst vor genau diesem Moment. Gemeint ist der ungewollte Schmerz vor, während oder nach dem Sex. In meiner Praxis für Sexualtherapie & Sexualberatung in Berlin helfe ich Betroffenen, sich diesem Thema behutsam zu nähern und neue Wege zu finden.


Ein oft stilles Leiden: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr


Die Prävalenz (Häufigkeit) von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist hoch. Schätzungen zufolge erleben aktuell 5 bis 20 % aller Frauen Schmerzen beim Sex; 3 von 4 Frauen leiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal darunter. Bei Endometriose-Patientinnen liegt der Anteil sogar bei ca. 60,6 %.


Doch das ist kein reines Frauenthema. Auch Männer sind betroffen: Etwa 5 bis 15 % der Männer erleben Schmerzen beim oder nach dem Geschlechtsverkehr, oft bedingt durch chronische Verspannungen im Beckenbereich (CPPS), Prostatabeschwerden oder Schmerzen bei der Ejakulation.


Da das Thema schambehaftet ist, ist die Dunkelziffer vermutlich weitaus höher. Dabei sollte man Schmerz niemals als „normal“ ansehen, sondern als ein Signal des Nervensystems.


Was ist Dyspareunie? Symptome und Formen

Manchmal hilft es, wenn das Erlebte einen Namen hat. In der Fachsprache findest Du das, was ich hier beschreibe, unter dem Begriff Dyspareunie und äußert sich sehr individuell. Hier sind einige Möglichkeiten, wie sie sich ausdrücken und mit welchen Symptomen sie einhergehen kann:


  • Die Dauer: Besteht der Schmerz schon immer (primär) oder erst seit einer geraumen Zeit (sekundär)?

  • Unterschiedliche Auslöser: Traten die Schmerzen nach einem bestimmten Ereignis auf, wie z. B. einer Geburt, Operation, Infektion oder einem Partner*innenwechsel?

  • Die Lokalisierung: Zeigt sich der Schmerz als Eingangsschmerz (Introitus), als tiefer Schmerz (im Becken), punktuell, großflächig oder diffus?

  • Kontext & Variabilität: Tritt der Schmerz bei Partner*innen- vs. Solosex auf? Ist er objektabhängig (z. B. Tampons, Dildo, Untersuchungen durch Arzt oder Ärztin), abhängig vom Zyklus und den Hormonen oder tritt er sofort bzw. zeitversetzt auf?

  • Charakter & Qualität: Wie fühlt sich der Schmerz an? Brennend, juckend, stechend, reißend, wie ein blauer Fleck oder wie eine Blockade/Mauer? Wie ist die Schmerzstärke und verändert er sich? Bleibt er bestehen oder verschwindet er sofort wieder?

  • Begleiterscheinungen: Traten regelmäßig Infektionen, Pilzerkrankungen oder Blasenentzündungen auf? Du kannst dich nicht fallen lassen, weil du unbewusst auf den Schmerz scannst? Verlust der Erregung und/oder Lust weil die Angst?


Auf jeden Fall ist es ratsam, diese Beschwerden zunächst bei einer Gynäkologin bzw. einem Gynäkologen oder bei einem Urologen/Andrologen abzuklären, um rein physiologische Ursachen medizinisch auszuschließen.


Auf Spurensuche: Warum antwortet der Körper mit Schmerzen beim Sex?


Die Ursachen sind selten einseitig und ebenso individuell wie du selbst. Es ist meist ein Zusammenspiel aus Emotion, Körper, Kognition und Beziehung. Die Faktoren sind häufig multifaktoriell:


  • Körperlich: Vaginale Trockenheit (Pille, Stillzeit, Wechseljahre), Endometriose, überreizte Nervenenden (Vulvodynie), Narbengewebe nach Operationen oder Geburten sowie Beckenboden-Verspannungen (Vaginismus), ungünstiges Größenverhältnis zwischen Vagina und Penis

  • Psychisch & Relational: Stress, Leistungsdruck, unverarbeitete Traumata, sexuelle Lernerfahrungen


Strategien der Vermeidung: Wenn Sex zur Verhandlungssache wird


Um den Schmerz nicht spüren zu müssen, beginnen viele Betroffene, ihr gesamtes Verhalten zu verändern. Das passiert oft schleichend:


  • Vermeidung von allgemeiner Nähe: Man fängt an, auch „harmlose“ Zärtlichkeiten wie Kuscheln oder Händchenhalten zu meiden. Die Angst dahinter: „Wenn ich jetzt Nähe zulasse, denkt mein Gegenüber, es führt zu Sex – und dann muss ich wieder Nein sagen oder Schmerzen aushalten.“

  • „Es hinter sich bringen“ (Sich totstellen): Viele Personen ziehen den Sex trotzdem durch, beißen die Zähne zusammen und warten darauf, dass es vorbei ist. In der Psychologie nennen wir das oft Freeze-Reaktion. Man ist körperlich anwesend, aber innerlich weit weg.

  • Ablenkung im Kopf: Man fängt an, während des Akts abzulenken, um nicht im eigenen Körper (und damit beim Schmerz) sein zu müssen.

  • Übermäßiger Einsatz von Hilfsmitteln: Man versucht, den Schmerz mit Unmengen an Gleitgel, Betäubungssalben, Laserbehandlungen, Botox oder Schmerzmitteln zu „betäuben“.

  • Ausreden finden: „Ich bin zu müde“, „Ich habe Kopfschmerzen“, „Die Kinder könnten aufwachen“. Es wird ein Schutzwall aus Argumenten gebaut, um das schambesetzte Thema Schmerz nicht ansprechen zu müssen.

  • Der „Alkohol-Trick“: Manche trinken ein Glas Wein zu viel, in der Hoffnung, dass der Körper dann lockerer wird oder man den Schmerz weniger spürt.


Warum das den Kreislauf verstärkt


Das Problem bei all diesen Strategien ist: Der Körper lernt daraus. Wenn ich Schmerz „durchdrücke“ oder mich innerlich wegbeame, speichert das Nervensystem ab: „Sex ist gefährlich/unangenehm, ich muss mich noch mehr schützen.“ Die Schutzmauer wird also mit jedem Mal, an dem man den Schmerz umgeht oder aushält, ein Stück dicker.


Fazit: Schmerz ist ein Schutzreflex des Nervensystems, der sich unserer logischen Kontrolle entzieht. Wenn wir versuchen, diesen Reflex mit reiner Willenskraft oder Medikamenten zu betäuben, ohne auf die leisen Signale des Spürens zu hören, bleibt der Schutzwall bestehen – oder wird sogar stärker.


Der Weg zurück ins Spüren: Warum Sexocorporel oft den entscheidenden Unterschied macht


Vielleicht hast du schon vieles versucht: Gespräche über die Psyche oder rein medizinische Behandlungen. Doch Sexocorporel geht einen Schritt weiter. Während viele Therapieformen den Schmerz als „Problem, das weg muss“ behandeln, begreift Sexocorporel Sexualität als eine Körperfähigkeit, die wir aktiv gestalten und verändern können.


Hier setzt meine Arbeit an: Wenn dein Kopf alles verstanden hat, dein Körper aber immer noch mit Anspannung reagiert, braucht es ein neues körperliches Lernen. Sexocorporel betrachtet Körper, Emotion, Kognition und Beziehung als Zahnräder, die ineinandergreifen.


In meiner Sexualtherapie in Berlin nutzen wir:


  • Psychoedukative Ansätze: Verstehen, wie Erregung und Entspannung physiologisch funktionieren.

  • Körperübungen: Praktisches Erlernen von Beckenbeweglichkeit, Atemsteuerung und Tonusregulation.

  • Integration: Den Transfer des gelernten „Sicherheitsgefühls“ in deine gelebte Sexualität.


Deine Einladung zur Sexualberatung in Berlin Lichtenberg (Rummelsburg)


Wenn du eine Möglichkeit suchst, dein System nicht nur zu verstehen, sondern langfristig zu lernen, den Schmerz zu mildern oder ganz loszuwerden, bin ich hier.


Eine Frage an dich: Was glaubst du, braucht dein Körper gerade am allermeisten, um sich wieder ein kleines Stückchen sicherer zu fühlen?


Lass uns gemeinsam den ersten Schritt gehen. Melde dich gerne einfach über das Kontaktformular für ein Erstgespräch in meiner Praxis in Berlin Lichtenberg Rummelsburg. Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.






Quellen und weiterführende Informationen

Um Dir die Sicherheit zu geben, dass dieser Artikel auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, findest Du hier eine Auswahl der zugrunde liegenden Studien und Fachorganisationen:

  • Prävalenz und Statistiken: American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) sowie Studien der World Endometriosis Research Foundation (WERF) zur Häufigkeit von Dyspareunie.

  • Männliche Sexualgesundheit: Daten zu chronischen Beckenschmerzsyndromen (CPPS) gemäß den Leitlinien der European Association of Urology (EAU).

  • Sexocorporel-Modell: Grundlagen nach Jean-Yves Desjardins und aktuelle Anwendungsstudien zur körperorientierten Sexualtherapie (z.B. Aubert & de Carufel).

  • Medizinische Klassifikation: ICD-10/ICD-11 Richtlinien zur Diagnose der Dyspareunie und des Vaginismus.

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